Pariser Klimaabkommen – das Buch, das die Menschheit verbindet.

(Oder: Die fünf besten Nachrichten nach der UN-Klimatagung in Bonn.)

Am Samstag habe ich zum Abschluss der UN-Klimakonferenz in den frühen Morgenstunden einen kurzen Kommentar aufgenommen, in dem ich eine oft vernachlässigte Perspektive beleuchten wollte: Die Vorteile der Konferenz, abgesehen von Treibhausgas-Eindämmung. Hier folgt auf Nachfrage hin der Kommentar in Textform

1) Die Gemeinschaft: Die ganze Welt redet miteinander. Die Uno-Klimatagung ist die große Bühne, auf der sich alle treffen. Hier müssen Diktaturen mit Demokratien reden, Arm redet mit Reich, Korrupt mit Sozial. Alle reden mit allen, und alle haben nur eine Stimme. Liechtenstein hat eine Stimme, China hat eine Stimme. Der Austausch macht die Welt automatisch besser.

2) Die Macht der UN: Der UN-Dampfer ist unaufhaltsam, der UN-Dampfer ist so träge und so mächtig, der geht über alles ganz langsam hinweg, und diese Klimatagungen sind so gravitätisch und so unaufhaltsam, dass sie immer weitergehen werden und die Welt immer mehr miteinander verbinden werden. Man merkt das hier daran, dass selbst der Austritt der USA hier keine Folgen hat: Es geht alles weiter, die USA selber versuchen hier noch mitzuarbeiten und konstruktiv zu sein. Man ahnt, dass sie irgendwann ganz zurückkommen werden, weil der Prozess immer weitergehen wird, hier redet die Welt miteinander, hier darf man nicht fehlen.

3) Die Arbeitsplätze: Die Sorge für den Klimawandel bringt die Welt nicht nur zusammen, sie schafft Zusammenarbeit. Die Reichen helfen den Armen und versuchen dabei, selber ihren Einfluss zu vergrößern und ihre Firmen ins Spiel zu bringen, also ihre Wirtschaft zu stärken. Bei diesem Zusammenspiel könnten alle profitieren.

4) Die Anreize: Die Klimakonferenzen sorgen für Innovationen, sie drängen die Staaten dazu, Erneuerbare Energien zu entwickeln. Ob das in genügendem Ausmaß gelingen kann, ist offen, aber der Anfang ist gemacht. Und die Klimakonferenzen beschleunigen diesen Prozess, weil sie Anreize schaffen.

5) Die Sprache: Auch die Sprache der Klimakonferenzen ist eine gute Nachricht. Der Klimavertrag ist verfasst in einer sehr spröden Sprache. Ein Beispiel:

„Die Vertragsparteien, die entwickelte Länder sind, müssen – und die anderen Vertragsparteien, die Unterstützung gewähren, sollen  – Informationen über die Unterstützung übermitteln, die sie den Vertragsparteien, die Entwicklungsländer sind, in Form von finanziellen Mitteln, Weitergabe von Technologie und Kapazitätsaufbau nach den Artikeln 9, 10 und 11 gewährt haben.“

Diese Sprache ist so nüchtern, dass sich die ganze Welt drauf einigen kann und sie ist so präzise, dass sie allen gerecht wird.

Um jedes Wort wurde hier lange gerungen, nicht nur hier in Bonn, sondern auf allen 22 UN-Klimatagungen zuvor und auf Hunderten Zwischentagungen auch. Deshalb sind es kostbare Worte. Es ist UN-Poesie.

In Bonn ist es in den letzten zwei Wochen gelungen, dieses Buch weiterzuschreiben, dieses Buch, das Klimavertrag heißt. Dieses Buch, das die Menschheit verbindet.