Häufige Leserfrage

Liebe Leser,

Sie hatten die gleiche Frage zu meinem Artikel über die sich verlangsamende Erddrehung.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/beweise-in-babylonische-keilschriften-die-tage-werden-laenger-a-1125682.html

Sie fragten, wie zwei scheinbar unterschiedliche Aussagen im Text übereinstimmen könnten:

Aussage 1) „Nicht um 2,3 Tausendstelsekunden (Millisekunden) pro Jahrhundert – wie es Satellitendaten nahelegen – verlangsame sich die Erdrotation, sondern um nur 1,8 Tausendstelsekunden, berichtet eine Gruppe um Leslie Morrison vom Royal Greenwich Observatory.“

Aussage 2) „Ein Tag war zu Zeiten der Babylonier etwa vier hundertstel Sekunden kürzer. Seither sind etwa eine Million Tage vergangen. Seit Babylon ergibt sich also für jeden Ort ein Unterschied der Uhrzeit von mehreren Stunden.“

Beides stimmt.

Aussage 1 nennt die Rate der Verlangsamung. Die Erde dreht sich demnach heute etwa um vier hundertstel Sekunden langsamer als zur Zeit Babylons.

Aussage 2 nennt den Unterschied der Uhrzeit an einem Ort.

Der Unterschied der Uhrzeit summiert sich zu mehreren Stunden, weil sich die Zeitunterschiede jeden Tages der letzten 2700 Jahre addieren: War es also vor 2700 Jahren 12 Uhr mittags in Babylon, so ist es dort heute erst einige Stunden später 12 Uhr.

Weil Babylonier und andere Menschen der Antike den Zeitpunkt der astronomischen Ereignisse exakt vermerkt hatten, lässt sich die Diskrepanz der Stellung der Erde zu heute präzise berechnen; die Forscher überprüften Hunderte Aufzeichnungen.

Sie haben berechnet, welche Uhrzeit bei konstanter Erddrehung an den Sonnenfinsternis-Orten herrschen würde – und welche die antiken Völker tatsächlich notiert haben. Aus dem Unterschied ergibt sich, wie stark sich die Erddrehung verlangsamt hat.

Ich habe den Artikel um diese Erklärung erweitert, herzlichen Dank für Ihre kritische Nachfrage!

Mit besten Grüßen aus Hamburg,
Axel Bojanowski